"Wir sind Bettler,
das ist wahr."
Martin Luthers letzte Worte meinten freilich, was er über unsere jämmerliche und dennoch geliebte Existenz vor Gott erkannt und gelebt hatte. Deutlich hatte er jedoch immer wieder auch die vielen materiellen Belange und Notwendigkeiten mit dieser Erkenntnis dankbar verbunden. Beten und Betteln hätte er mit Sicherheit auch mit maroden Bausubstanzen verbunden, zuverschtlich unter der Erkenntnis: "Gott sorgt - wir aber sollen arbeiten."
Das Dach unserer Dorfkirche am Luther-Pilgerweg Sachsen-Anhalt sorgte überreichlich für diesbezügliche Erfahrungen!
Zuletzt brauchten wir für die Vollendung der Dachsanierung von 2004 bis 2010 sechs Jahre Geduld als Bettler. Dieses Dach mit dem vielen erneuerten Holz kostete schließlich 156.000,- €. Durch Betteln kamen rund 42.000,- € Spenden zusammen, durch eigenen Haushalt außerdem 10.000,- € und durch Beantragen von Zuschüssen und Fördermitteln 104.600,- €. So wurden wir nach vielen anderen Erlebnissen auch für dieses Dach reich beschenkt!
Eine erhebliche Geldsumme konnten wir einsparen: Die aufwändigen Malerarbeiten an der Kirchendecke nach umfassender Dachstuhlsanierung mit viel Holzaustausch bewältigten wir rechtzeitig vor Weihnachten 2009 mit eigenen Händen.
Unsere Hilferufe fanden mancherlei Gehör auf teilweise erstaunlichen Wegen.
Ein paar Beispiele werden in deutlicher Erinnerung bleiben: 
Eine vorüberkommende Weitgereiste hielt an unserer Ausstellung der faulen Balken vor dem Pfarrhaus inne, entdeckte die Not und überwies mehrfach ansehnliche dreistellige Spenden.
"Kleinvieh macht auch Mist" sagte ein Getreuer und überwies regelmäßig monatlich 10,- €.
Zwei andere brachten sich ähnlich ein - dieser "Misthaufen" beträgt immerhin etlche huntert Euro !!!
Streichholzschachteln wurden mit kleinem Kirchdachbild und Betteltext beklebt.
Die Bastelgruppe strickte "Partnerhandschuhe" und faltete unermüdlich Leuchtsterne - siehe auch Basar
“Unterrißdorfer Quittenzauber“ - ein exquisiter Likör unserer Agrarwissenschaftler mit ansprechendem Etikett bildete ein überzeugendes Dankeschön.
Weihnachtsbäume aus dem Pfarrgarten wurden mit Spendengaben bedacht. Sie waren Ergebnis der Winzlinge, die wiederholt aus Wäldern mitgebrachten worden waren und in dem riesigen Gelände inzwischen eine stattliche Größe erreichten.
Eine Art Doppelbuße hatte sich ein hier Aufgewachsener ausgedacht, dem das Kirchlein am Herzen liegt: Er spendete wiederholt jeweils den gleichen Betrag eines Verwarngeldes (wieder mal ungeduldig geparkt oder gerast …) fürs Kirchdach.
Ein eigenes Krippenspiel in Versform wurde in Kirchengemeinden in der Pfalz und in Bayern aufgeführt und mit einer Dankgabe honoriert.
Konzerte zu Gemeindefesten 2004 bis 2008 erbrachten Kollekten von über 1.500,- €.
Symbolische Blumengrüße und Geldgaben statt Kränzen erbrachten eine ungeheure Summe beim einschneidenden Abschied von unserem getreuen Bodo Menzel, dessen Einsatz für dieses Kirchlein unvergessen bleibt.
Inzwischen suchen wir alles zusammen, was sich in der Auktion bei Ebay unterbringen lässt. Die Verkaufserlöse dienen der Kircheninstandhaltiung. Auch hier zeigt bereits die Erfahrung mit alten Postkarten, "Kellerfunden" und allem Nostalgischen: "Kleinvieh macht auch Mist!"
Eine umfassende Fotoschau von dieser aufregenden Geschichte befindet sich am Schluss dieses Kapitels.
Und von unserer schönen Kirche, unserem immer hoffnungsvollen Betteln und viel wunderbarer Hilfe
erzählt (auch) unser Kapitel "Gebäude mit Freude".
Unser aktueller Hilferuf
lenkt die Blicke auf unsere erneuerungsbedürftigen Kirchenfenster.
Still und geduldig fragen sie schon seit Längerem :
"Was wird aus u n s ???"
Wir hatten sie 1976 als gut gemeintes Provisorium gegen alte verfallene ausgetauscht. Schon lange fordern sie mit ihrem verbrauchten Holz zielstrebig
unsere Aufmerksamkeit ein. Eine faszinierende Geldgabe im Frühjahr 2010 gab uns die Möglichkeit, über eine Erneuerung nachzudenken. Im Lauf der folgenden Monate sammelten wir bisher eine beachtliche Spendensumme. Und erneut wurde im Zusammenhang mit Luther und seinem letzten Reiseweg eine Förderung aus EU-Mitteln möglich. Der Kirchenkreis wird mit einem Zuschuss aus dem Baulastfonds helfen.
Durch die Planungsarbeiten des Ingenieurbüro Sixtus Hermanns (Bleicherode) wurde errechnet: Wir werden für die Steinmetz- und Glaserarbeiten 78.000,- € aufbringen müssen.
Inzwischen staunen wir und stellen dankbar fest: 
Zur Zeit brauchen wir "nur" noch rund 6.000,- € zusammenzutragen! Für diesen "kleinen Rest" muss also weiter intensiv gebettelt werden! Bereits seit vor Weihnachten standen Baugerüste außen an den Fenstern, seit 12.Januar auch innen. So konnten am 16.Januar 6 Fenster ausgebaut und die dahinter liegenden Substanzen von den Fachleuten begutachtet werden. Es gibt für Steinmetz und Glaserin viel zu tun ...
Es gibt es immer noch das Sonderkonto:
Begünstigter: Evangelische Kirchengemeinde Unterrißdorf
Kontonummer: 60 300 5186 BLZ: 800 637 18 Volks- u. Raiffeisenbank Eisleben
Verwendungszweck: "Fenster" ( und bitte Adresse angeben ! ).
Vom Ausland: BIC: GENODEF1EIL..... IBAN: DE42 8006 3718 0603 0051 86
oder über PayPal unter der Adresse:
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Dankbare Rückblicke nach vielen Hilferufen:
Nachmittags unser Turm war frisch bekrönt. Festlich wir hatten diesen Tag verschönt.
Das Abendläuten ich vergesse nicht: Es nahm schon deutlich ab das Tageslicht.
Und nach dem herbstlich schönen Sonnenschein es stellte sich ein warmer Regen ein.
'Da plötzlich wie aus and´rer Welt ein Gruß stand auf dem Dach ein Regenbogenfuß.
Das hat sehr tief erfreut und gab uns Mut: Wir hoffen weiter, hier wird alles gut!
Wir werden sammeln hier nun Cent für Cent und hoffen - froh erwartend den Moment:
Ein letzter Ziegel wird aufs Dach gelegt, was uns zu tiefer Freude dann bewegt.
Jetzt galt es, einfach darauf zu vertrauen: Das Geld wird kommen, weiter hier zu bauen.
Geduld und hoffnung lässt uns das erwarten, auch wenn es lange dauert, loszustarten.
Fotoschau:
Dachsanierung 2004 bis 2010
Exakt - so teilt das Kirchdach mit - taut hier der Schnee pro Bauabschnitt!
An jenem Freitag im April entfernte man Gerüste still.
Nach saniertem Dach Folgearbeiten an der Orgel:
Die Orgel war 2004 nicht sicher genug vor Verunreinigung von oben her geschützt worden. Jetzt galt es, dem eingeschlichenen Schmutz zuleibe zu rücken. Wir bauten ab 6.4.2010 die über 800 Pfeifen aus, um sie schubweise intensiv zu reinigen.
Seit 12.April 2010 nutzten wir die einmalige Gelegenheit, Putzreparaturen und Anstriche an der Wand hinter der Orgel vorzunehmen.Sie ist sonst hinter den großen Orgelpfeifen nicht zugänglich.
Bei diesem Großeinsatz hatten die großen und kleinen Helfer Spaß an manchem weit erklingenden Ton, wenn nun - statt aus dem Blasebalg - mit Hilfe eines Kompressors in die Pfeifen gepustet wurde. So lernten alle Beteiligten unsere Orgel ein Stück besser kennen und schätzen. Das Ziel wurde mühsam erreicht: Alle 802 Pfeifen kamen rechtzeitig an ihren Platz, wurden durch den Orgelbauer gestimmt und füllten die Kirche mit Klängen zur großen Dach-Dankfeier am 2.Mai 2010
Hilferuf für den Kirchplatz 2010:
Ein schlichtes Schild zum Gemeindefest gab auf einem Erdhügel den Hinweis: "Helfer gesucht!"
Ein "Altfreund" aus Eisleben sah, fragte, kam, griff zum Spaten. Er begann die Rückeroberung des zerwühlten Kirchplatzes durch Graben eines Randstreifens, auf dem eine erste Neubepflanzung Platz finden konnte. Hierfür fand sich ein Helfer aus Leipzig ein - hier seinerzeit getauft - und er nannte diese erste Pflanzaktion "Mein schönstes Erlebnis in den Herbstferien".








